St. Veits Reliquiar
  

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Stiftsbasilika St. Vitus und St. Deocar
Herrieden

 

 

Die Glocken der Stiftsbasilika

 
 

Unsere Stiftsbasilika St. Vitus und St. Deocar wurde in den Jahren 1999 bis 2008 umfassend restauriert. Teilbereiche - Eisernes Gitter und Apostelfiguren des Chorgestühls - wurden erst 2009 fertiggestellt. Die umfassende Restaurierung de Ölbergs fand 2010 statt.

 
 

Baugeschichte

Die Baugeschichte des Gotteshauses reicht zurück bis 1071, als Bischof Gundekar II. von Eichstätt und Bischof Embricho aus Augsburg Stiftskirche mit Hochaltar konsekrieren und das bisherige Patrozinium St. Salvator in das des Hl. Vitus umwandeln. 

Ende des 13. Jahrhunderts verliehene Ablässe deuten auf größere Bauvorhaben hin. Diese Vermutung wird durch archäologische Bodenuntersuchungen, welche die Instandsetzung der Westtürme begleiten, bestätigt. 

Die Entstehung dieser imposanten Türme wird in den Zeitraum Ende 13. Jahrhundert/Anfang 14. Jahrhundert datiert. Deren enge Anordnung, die Schlitzbogenfenster im Unterbau, Versatzstücke eines Spitzbogenfries und ein Löwenkopf ordnen die Türme in die frühgotische Zeit ein. Ihnen folgt der 1340 errichtete Chor, der in der Zeit von 1447 bis 1461 durch den heute bestehenden Chor und der angrenzenden zweigeschossigen Sakristei ersetzt wird.
Ein Stadtbrand im Jahr 1490 zerstört das Langhaus. Es wird von 1502 bis 1533 erneuert, gleichzeitig wird der Anbau der Blasiuskapelle an der Südostseite des Chors errichtet. Die beiden großen Kapellen an der Nordseite der Kirche, die Peterskapelle und die Nikolauskapelle, entstehen 1521/22. Im Langhaus wird 1677 bis 1683 eine bemalte Holzdecke eingezogen.
1735 beginnt in der Peterskapelle die barocke Umgestaltung, die in den Jahren 1740 bis 1748 in übrigen Bereich fortgesetzt wird. Das Langhaus wird eingewölbt und der gesamte Bau stukkiert.
1851 entfernt man Kreuzaltar und versetzt das Chorgitter unter die Empore, um den Gläubigen einen ungehindert Blick zum Hochaltar zu schaffen. Restaurierungsmaßnahmen im Außenbereich werden 1878/79 durchgeführt. Bei der Außeninstandsetzung 1968 erhält die Kirche die jetzige Farbgebung. Die letzte  Innenrestaurierung fand 1947/48 statt. Von 1999 bis 2008 erfolgte die erste Gesamtrestaurierung des Gotteshauses, im Außen- und Innenbereich, mit der Sicherung der Bausubstanz und aufwendigen Instandsetzung der beiden Westtürme. 

 
 

Ausstattung

Der Hochaltar wurde 1695 vom Eichstätter Hofbaudirektor Jakob Engel entworfen. Aus der gleichen Zeit stammt das Altarblatt von Johann Caspar Sing. Es stellt die "Apotheose des Hl: Vitus und des Hl. Deocar" dar. Engel begleiten die beiden Heiligen in ein strahlendes Jenseits, wo sie von Maria mit dem Kind erwartet werden.

Der goldglänzende Metalltabernakel, aus feuervergoldetem Kupfer, wurde nach Entwürfen von Mauritio Pedetti vom Eichstätter Gürtler Xaver Wanker 1780 gefertigt. Er enthält ein Holzrelief von J.A. Breitenauer "Die Geburt Christi" aus dem Jahre 1781 und eine Elfenbeinschnitzerei "Anbetung der Hl. Drei Könige", ein Geschenk des Ansbacher Markgrafen.

Neueste Erkenntnisse haben ergeben, dass das Elfenbeinrelief zeitlich in die zweite Hälfte des 17. Jahrhunderts einzuordnen ist und einem Altarbild "Anbetung der Hl. Drei Könige" von Peter Paul Rubens (1618/20 für die Kapuzinerkirche Tournai geschaffen) nachempfunden wurde.


Die große Seitenaltar nördlich des Chorbogens, der Jesuitenaltar, erinnert an Ignatius von Loyola und den Hl. Franz Xaver, sowie an die japanischen Märtyrer. Der von Mauritio Pedetti 1773 und 1776 gefertigte Entwurf wurde u.a. von J.A. Breitenauer und J.G: Speth ausgeführt.

Der gegenüberliegende "Pest- oder Sebastiansaltar" enthält ein vom Chorherrn Baron von Schneid gemaltes Altarblatt. Ein Erzbischof und ein Kanoniker erbitten vom Hl. Sebastian und der Heiligen Familie Hilfe für eine vornehme Frau.

Der Dreikönigsaltar im südlichen Mittelschiff entstand um 1770 und ist mit feinen Edelholzintarsien ausgestattet. Das Altarbild stammt von Baron von Schneid.
Der Willibaldsaltar ist 1726 entstanden und zeichnet sich ebenfalls durch Edelholzfurniere und Bandelwerkintarsien aus. Er wurde vom Chorherrn Dr. Johannes Bernhard Koch gestiftet und enthält eine spätbarocke Holzfigur des Hl. Willibald. In der Predalla ist das Grab der Hl. Walburga dargestellt.

In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts wurde der schadhafte Michaelsaltar in den Altar des Hl. Deocar umgewidmet und mit einer figürlichen Darstellung des ersten Abtes des Herrieder Klosters, mit dem Attritbut der Herrieder Stiftskirche in der rechten Hand, ausgestattet. In dem aus 1714 stammenden Altartisch ist der Besuch Kaiser Karls des Großen in der Einsiedelei Deocars dargestellt.

Die vor der Barockisierung 1720/1730 entstandene Kanzel ist ebenfalls eine Stiftung des Chorherrn Dr. Johannes Bernhard Koch, geziert von Intarsienarbeiten und vergoldeter Ornamentik.

Das Chorgestühl besteht aus Stallen aus der 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts und die Rückwand ent- stand in der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts. In den Nischen des vorderen Gestühls sind mit Apostel- und Prophetenstatuen ausgestattet. Einem Plan von 1850 aus dem Bayerischen Hauptstaatsarchiv zu Folge war dem östlichen Chorgestühl noch je eine Gestühlsreihe vorgesetzt, wohl um Plätze für die ursprünglich 30 Chorherren des Herrieder Kollegialstifts zu schaffen. Aus diesem Plan ist auch er- sichtlich, dass das Gestühl im vorderen Hauptschiff ursprünglich längs angeordnet und mit Chorgestühl ausgestattet war.

Unter den Emporen schließt das frühere Chorgitter den Raum ab. Es wurde 1735 vom Herrieder Schlossermeister Johann Miller geschaffen, trat ursprünglich an die Stelle des ehemaligen Lettners und wurde Mitte des 19. Jahrhunderts auf Empfehlung des Diözesanbischofs zusammen mit dem Kreuzaltar entfernt, um den Gläubigen eine bessere Sicht auf den Hochaltar zu ermöglichen. Das Chorgitter wurde unter die Männerempore versetzt und wesentliche Teil des Kreuzaltars wurden der Pfarrei Weiding bei Schönsee in der Oberpfalz zur Ausstattung des nach einem Brand wieder erbauten Gotteshauses überlassen.

Die Orgel ist ein Werk Georg Martin Gessingers und wurde 1780 eingebaut, 1974 umgebaut und bei der jüngsten Kirchenrestaurierung restauriert und mit zwei weiteren Registern ausgestattet.

Die Anfang des 16. Jahrhunderts errichtete Blasisukapelle wurde 1882 mit kräftiger Schablonenalerei und Farbglasfenstern neugotisch umgestaltet. Sie beherbergt das aus dem Jahre 1482 stammende Hochgrab des Hl. Deocar, das ursprünglich in der Mitte der Kirche, später in der Peterskapelle aufgestellt war. Es stellt das Abbild eines spätgotischen rechteckigen Kirchenbaus dar und ist mit dem Wappen des Eichstätter Bischofs Wilhelm von Reichenau und Darstellungen der Hl. Willibald, Walburga und Wunibald und des Ortspatrons, des Hl. Deocar, geziert.

 
 

Der Raum

Die Stiftsbasilika ist typologisch gesehen eine Staffelhalle, mit einem im Innern vorherrschenden pseudobasilikalen Eindruck. Die barocke Umgestaltung des spätgotischen Langhauses, lässt dieses auch durch die Ummantelung der Pfeiler als einen barocken Baukörper erscheinen. 

Im Gegensatz zum schlichten Äußeren der Kirche überrascht der helle Innenraum. Im Chor erinnert das Rautennetzgewölbe mit seinen von Stuck umgebenen Schlusssteinen an den spätgotischen Ursprung.
Im Chor dominieren vier große Leinwandgemälde aus der Zeit des mittleren 18. Jahrhunderts, mit den Darstellungen der Geburt Christi, das letzte Abendmahl, der Auferstehung und der Sendung des Heiligen Geistes. In den Rauten des Netzgewölbes werden die vier Evangelisten und die vier Kirchenväter dargestellt.

Im Langhaus zeigen uns Fresken von Edmund Wiedemann die Kirchenpatrone und Diözesanheiligen und in der südlichen Seitenkapelle stellen die Deckenspiegel thematisch einen Bezug zu den Altären in den Seitenkapellen her. Die Deckengemälde im Mittelschiff zeigen in Ost-West-Richtung das Martyrium des Hl. Vitus im Ölkessel, die Heilung eines Sohnes des Kaisers Diokletian auf Fürbitte des Hl. Vitus, die Krönung Mariens, den Besuch Kaiser Karls des Großen beim Hl. Deocar und eine Krankenheilung auf Fürbitte des Hl. Deocars.

Etwas in den Hintergrund treten die Bilder an der unteren Emporenbrüstung, die dem Betrachter die Schlüsselübergabe an Petrus, das Gastmahl Jesu mit der Büßerin, die Taufe Christi, das letzte Abendmahl, die Herabrufung des Heiligen Geistes, die letzte Ölung und die Vermählung Mariens zeigen.

In der Peter- und Paulskapelle, deren Stifter der Kanoniker Dr. Johann Josef Heusler ist, begann 1735 die barocke Umgestaltung der Stiftskirche. Leopold Retti, Giovanni Pietro Brilli und Dominico Ferretti haben in dieser Kapelle ein Werk geschaffen, das sich als "lockere Zartheit des Ansbacher Rokoko" auszeichnet, so Dr. Emanuel Braun im Kirchenführer "St. Vitus und St. Deocar in Herrieden".

Die spätgotische Blasiuskapelle wurde 1882 neugotisch umgestaltet und Schablonenmalerei und Farbglasfenster versehen. Sie enthält den Deocarschrein aus dem Jahre 1482, der ursprünglich in der "Mitte der Stiftskirche" aufgestellt war und 1783 durch die Übertragung der Deocar-Reliquien seine eigentliche Funktion verlor. 

 
 

Quellen:
Dr. Emanuel Braun - Kirchenführer "St. Vitus und St. Deocar Herrieden"
Unterlagen des Pfarrarchivs Herrieden
Auskunft des Kunsthistorischen Museums Wien zum Elfenbeinrelief im Hochaltar

Bilder:
Benno Goth, Rudolf Eder, Hans Christ 

 
 

Rudolf Eder
Kirchenpfleger

 
     

 

 

 

 

 

   

© Kath. Pfarramt Herrieden 2008